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Dritter Bericht zur Lage der Jugend in Österreich (1999)

Der Dritte Bericht zur Lage der Jugend in Österreich ist im Jahr 1999 erschienen und behandelte folgende vier Teilbereiche:

Traditionelle Jugendarbeit in den Gemeinden verfehlt oft die Bedürfnisse Jugendlicher. Die Jugendlichen in Österreich demonstrieren ein großes Bedürfnis nach szeneorientierten, jugendkulturell ausgerichteten Freizeitangeboten. Diese Angebote entsprechen am ehesten der von der Freizeit geforderten Erlebnisdimension, bieten aber auch die Möglichkeit, sich an die neuen Sinnsysteme unserer Gesellschaft anzuschließen und erreichen damit einen identitäts- und sinnstiftenden Status. Die Jugendarbeit in den Gemeinden ist aber nach wie vor stark an Vereinsarbeit orientiert. Zwar greift auch der schulische Bereich unterstützend in die Angebotsformen ein, doch ergibt sich aus dieser Konstellation, dass sich die Jugendarbeit in den Gemeinden Österreichs noch in sehr traditionellen Bahnen bewegt. Dies findet sowohl in den kulturellen, als auch in den sportlichen Aktivitäten seinen Niederschlag. In Verbindung mit der bei Jugendlichen weit verbreiteten Institutionenskepsis, die sich auch in einem rückläufigen Beteiligungsinteresse an Vereinsarbeit dokumentiert, wird die von den Jugendlichen dokumentierte Unzufriedenheit mit der Freizeitsituation einsichtig. Jugendkulturell orientierte Angebote werden hauptsächlich nur von kommerziellen Anbietern offeriert. Dadurch erfahren einige Jugendsegmente eine extreme Benachteiligung:

Da kommerzielle Anbieter eine Gewinnmaximierung anstreben, ergibt sich durch die Situation, dass Jugendliche in kleinen Gemeinden kaum die Möglichkeit haben, an den multimedial präsentierten Erscheinungsformen der Jugendkulturen zu partizipieren.

Auch Jugendlichen mit bescheidenen finanziellen Ressourcen wird der Zugang zu den Jugendkulturen dadurch erschwert oder unmöglich gemacht. Kommerzielle Angebotsformen richten sich kaum auf subgruppenspezifische Bedürfnisse ein. Für Mädchen und Jugendliche unter 16 Jahren sind daher viele Angebotsformen nicht nutzbar. Als primär intervenierende Faktoren treten hier sowohl die mangelnde Mobilität, als auch die fehlende Elternerlaubnis auf. Die Jugendlichen können ihre Wünsche und Bedürfnisse in Bezug auf Freizeitangebote zwar sehr deutlich artikulieren, doch vielfach sehen sie keine Möglichkeit, diese Wünsche auch um- bzw. durchzusetzen. Aus den Ergebnissen lassen sich dazu jedoch folgende Anregungen ableiten: Jugendbeauftragte können dazu beitragen, die Freizeitinfrastruktur zu verbessern.

Jene Gemeinden, die über einen Jugendbeauftragten verfügen, weisen tendenziell eine bessere Freizeitinfrastruktur für Jugendliche auf. Die Nominierung von Jugendbeauftragten in allen Gemeinden Österreichs, könnte den Jugendlichen bei der Durchsetzung ihrer Ideen und Bedürfnisse helfen. Jugendforen können dazu beitragen, die Interessen und Wünsche der Jugendlichen zu artikulieren Die Interessen der Jugend werden nach wie vor zu wenig wahrgenommen: zum einen weil bei den erwachsenen Entscheidungsträgern Informationsdefizite bestehen, zum anderen, weil die Interessen und Wünsche der Jugendlichen quasi als "Minderheitenprogramm" abgetan und daher nachrangig behandelt werden.

Jugendforen, in denen sich Jugendliche freiwillig zusammenschließen, um aktiv und engagiert in die (politischen) Belange der Gemeinde einzugreifen, scheinen eine geeignete Instanz, um die Wünsche und Bedürfnisse der Jugend nicht nur transparent zu machen, sondern ihnen im Dialog mit den (politischen) Entscheidungsträgern auch Schritt um Schritt zur Durchsetzung zu verhelfen. Die jugendspezifische Freizeitangebote der Gemeinden orientieren sich nach wie vor noch zu zögerlich an planungsrelevanten Erkenntnissen aus der (jugend)soziologischen Freizeitforschung. Im Zuge gesamtgesellschaftlicher Individualisierungsprozesse wächst die Distanz gegenüber organisierten Formen der Freizeitgestaltung. Zahlreiche Angebote in den Gemeinden sind noch nicht nach den Kriterien "Offenheit" und "Zweckungebundenheit" konstruiert.

Die Jugendarbeit in den Gemeinden wird zudem gefordert sein, sich um die Integration von jugendkulturellen und szeneorientierten Aktivitätsfeldern zu bemühen. Diesbezügliche Angebote aus dem kommerziellen Bereich treffen häufig - möglicherweise zurecht - auf Ablehnung der Jugendorganisationen und der Jugendarbeit, da hier Bedürfnisse der Menschen für Zwecke der Gewinnmaximierung ausgenutzt werden. Reagiert die Wirtschaft jedoch nur auf ein Phänomen der gesellschaftlichen Entwicklung, das von den alteingesessenen Organisationen nicht wahrgenommen wird, so sind hier Vorwürfe unangebracht. Vielmehr sollten nichtkommerzielle Organisationen durch neue Angebote das Versäumte nachholen und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, ihre Freizeitbedürfnisse wieder innerhalb der Organisationen zu befriedigen. Durch eine Angebotsveränderung in diesem Sinne, könnten auch "benachteiligten" Jugendlichen Anschlussmöglichkeiten an die Jugendkulturen eingeräumt werden.

Die große Herausforderung an all jene, denen die Jugend am Herzen liegt, all jene, die den Dialog mit ihr suchen und sie in die soziale Gemeinschaft einbeziehen wollen, besteht demnach darin, jene Formen der Jugendarbeit zu fördern, die die Jugendlichen selbst als jugendadäquat und daher förderungswürdig erachten. Denn: Jugendliche sind kritisch: Sie akzeptieren nur diejenigen, die für ihre Bedürfnisse wirklich offen sind.

Jugendbeteiligungsmodelle als "Demokratieschule". Bei politischer Jugendbeteiligung gibt es im Wesentlichen drei Ansätze: indirekte Interessenvertretung durch professionelle und/oder demokratisch legitimierte ExpertInnen (z.B. Kinder- und Jugendanwaltschaft), formelle Einbeziehung von Jugendlichen in politische Entscheidungen durch Senkung des Wahlalters und Formen repräsentativer oder direkter Jugendbeteiligung. Auf lokaler Ebene wurden drei Projekttypen identifiziert: Einrichtungen der verbandlichen Jugendarbeit, Einrichtungen der offenen Jugendarbeit sowie "beratende Gruppen". Den beratenden Gruppen ist gemeinsam, dass sie den Gemeinderat bei Entscheidungen - insbesondere im Jugendbereich - unterstützen sollen, indem Jugendliche die Möglichkeit erhalten, ihre Interessen selbst einzubringen. Ähnliche Initiativen gibt es zunehmend auch auf Bundes- und Landesebene, etwa das "Jugendforum" des Jugendministeriums oder in mehreren Bundesländern "Jugendlandtage".

Um einen genaueren Einblick in neuere Formen politischer Jugendbeteiligung zu gewinnen, wurden als Fallbeispiele der "Stadtjugendrat Bruck/Mur" (seit 1996, etwa 25 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren) und das "Kinderforum Eggenburg" (seit 1993, rund 50 8- bis 14-Jährige) ausführlich analysiert. Dabei zeigte sich u.a., dass durch beide Projekte sowohl die direkte Interessensvertretung für Jugendliche ermöglicht als auch das Kennenlernen von politischen Strukturen und Abläufen bewirkt werden soll. Die Grenzen der Mitsprachemöglichkeiten sind in beiden Projekten in erster Linie durch Erwachsene bestimmt, was von den Jugendlichen allerdings kaum in Frage gestellt wird. Beispiele für umgesetzte Wünsche der Jugendlichen sind: ein Jugendtreff, diverse Freizeitveranstaltungen oder eine eigene Jugendzeitung.

In die Untersuchung gingen 68 kommunale Partizipationsprojekte ein, an denen rund 1.500 Jugendliche teilgenommen haben. Die zentrale Frage lautete: "Wie wirken sich kommunale Beteiligungsmodelle auf Jugendliche, die daran teilgenommen haben, aus?"

Von den befragten Jugendlichen waren rund sechs Prozent bei Jugendzentren/-treffs, 61 Prozent bei parlamentarischen, 17 Prozent bei projektorientierten, knapp elf Prozent bei verbandsorientierten Beteiligungsformen sowie fünf Prozent bei Aktionen (z.B. Organisation von Kultur- und Sportveranstaltungen) beteiligt.

Beurteilung der Projekte durch die Jugendlichen: Rund 90 Prozent der Jugendlichen nahmen eine klare Arbeitsteilung sowie einen demokratischen Arbeitsstil wahr. Rund ein Viertel stellt fest, dass die Projekte durch ein geringes Ausmaß an gemeinsamer Zielorientierung (geringe innere Geschlossenheit) gekennzeichnet waren (z.B.: manche Teilnehmer "drückten" sich vor Aufgaben, einige sind "beleidigt", wenn es nicht "nach ihrem Kopf" geht usw.). Die Begleitpersonen der Projekte kommen vorwiegend aus dem öffentlichen Bereich (Bürgermeister, Gemeindebedienstete, Lehrer) aber auch aus Jugendvereinen und aus der Kirche. Beinahe alle Jugendlichen erleben diese Begleitpersonen als unterstützend bzw. vermittelnd.

Die Projekte haben, nach Angaben der Jugendlichen vielfach öffentliche Beachtung gefunden. Jeweils rund zwei Drittel gaben an, dass in Zeitungen oder im Fernsehen über ihre Aktivitäten berichtet wurde. Mehr als 70 Prozent der Befragten nahmen Anerkennung und Lob durch Erwachsene wahr.

Bei einem hohen Anteil Jugendlicher (85 %) festigte die Teilnahme ihr demokratisches Bewusstsein. Jedoch gibt auch mehr als die Hälfte an, dass Politikerverdrossenheit durch die Teilnahme gestiegen sei. Eine Erhöhung des politischen Vertrauens und Interesses wird von rund einem Viertel der Jugendlichen wahrgenommen. Dagegen führt die Teilnahme kaum zu einer Verstärkung autoritaristischer und fatalistischer Haltungen, die Demokratieskepsis und Bejahung politischer Gewalt beinhalten. Darüberhinaus wird durch die Teilnahme an Beteiligungsprojekten die Solidarbereitschaft der Jugendlichen gefördert sowie Schlüsselqualifikationen (Teamfähigkeit bzw. die Aneignung realistischer Sichtweisen) und Bewältigungskompetenzen erworben. Rund ein Viertel wird jedoch auch mit Bewältigungsproblemen konfrontiert.

Partizipative Integration von Kindern und Jugendlichen stellt überwiegend eine erfolgreiche Erprobung demokratischer Prozesse dar. Es zeigt sich jedoch auch, dass demokratisches Bewusstsein nicht in genereller Weise dazu führt, dass das allgemeine politische Vertrauen und Interesse zunimmt. Dass gleichzeitig von einem beträchtlichen Anteil der Jugendlichen eine Erhöhung politischer Entfremdung angegeben wurde, wurde mit dem spezifischen Charakter der Politikerverdrossenheit verglichen. Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bestätigen andere jugendsoziologische Untersuchungen dahingehend, dass Jugendliche über ein hohes Maß an politischem Engagement verfügen, der politischen Praxis und konventioneller Politik jedoch nur wenig abgewinnen können.

Merkmale gelungener Partizipationsprojekte

Zielerreichung: Wird von den Jugendlichen wahrgenommen, dass die eigentlichen Projektziele erreicht wurden, trägt dies dazu bei, demokratieskeptische, gewaltbejahende Haltungen und Politiker/-innenverdrossenheit zu reduzieren. Soziale Anerkennung: Die Wahrnehmung sozialer Unterstützung führt zu höherem politischem Vertrauen und Interesse, zu einem geringeren Ausmaß an politischer Entfremdung und zur Ausbildung demokratischen Bewusstseins.

Mittlerrolle der Begleitperson: Die Rolle der Begleitperson verlangt eine Balance zwischen Engagement und Zurückhaltung, um sowohl die nötige Autonomie als Orientierung für die Jugendlichen zu gewährleisten. Begleitpersonen sollten darüber hinaus eine Vermittlungsposition zwischen den Interessen Jugendlicher und der Gemeinde einnehmen.

Für die erfolgreiche partizipative Einbindung Jugendlicher ist entscheidend, dass ihre Leistungen in deutlicher Weise anerkannt und keinesfalls als dekorative Produkte kindlicher Aktivität abgetan werden. Schlussfolgerungen und Empfehlungen: Der Ausbau von politischer Jugendbeteiligung soll nicht nur ein Anliegen von JugendpolitikerInnen bleiben, sondern eine grundsätzliche Weichenstellung für die zukünftige Demokratieentwicklung werden.

Politische Jugendbeteiligung ist durch entsprechende rechtliche Ansprüche auf Mitbestimmung zu unterstützen. Als Möglichkeiten der Verankerung von Jugendbeteiligungsrechten bieten sich die Gemeindeordnungen, das Volksrechtegesetz sowie die Jugendförderungsgesetze der Länder an. Die unterschiedlichen Beteiligungsformen sind in ihrer Vielfalt zu fördern. Es sollen einerseits bereits bestehende Formen der Beteiligung wie Jugendverbände und Einrichtungen der offenen Jugendarbeit auch in ihrer Funktion als politische Interessensvertretung von Kindern/Jugendlichen anerkannt werden. Andererseits sollen zunehmend auch neue Formen, wie Jugendforen, Kinder- und Jugendgemeinderäte sowie projektorientierte Beteiligungsformen gefördert werden.

Personelle, räumliche und finanzielle Ressourcen stellen eine wichtige Grundlage für die Arbeit der Jugendlichen dar und tragen damit zum Ausbau von Jugendbeteiligung bei. Für die Bereitstellung der Ressourcen ist in erster Linie die öffentliche Hand zuständig. Dabei ist zu überlegen, ob eine finanzielle Unterstützung von Projekten nicht rechtlich abgesichert werden sollte.

Vermittlungspersonen sollen den generationenübergreifenden Dialog in Form eines direkten Austauschs zwischen Kindern/Jugendlichen und PolitikerInnen erleichtern, jedoch nicht ersetzen. Zur Wahrnehmung dieser Funktion eignen sich insbesondere parteipolitisch unabhängige Jugendbeauftragte, die aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden.

Die Weiterentwicklung von Beteiligungsprojekten und mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten für Jugendliche soll durch Vernetzung und Austausch unter den Jugendlichen und Weiterbildung von Multiplikator/-innen, Politiker/-innen, Vermittlungspersonen usw., gefördert werden. Zur Unterstützung einer systematischen Vernetzung sind zudem Clearingstellen zu empfehlen. Öffentlichkeitsarbeit soll dazu beitragen, dass Beteiligungsprojekte und ihre Ergebnisse bekannter werden und auch mehr Anerkennung finden. Damit wiederum soll erreicht werden, dass im Sinne eines Ausbaus von Beteiligung das Bewusstsein für die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Jugendbeteiligung zunimmt. Jugendbeteiligung ist kein Ersatz für etablierte Jugendpolitik. Der Ausbau der politischen Beteiligung Jugendlicher als Politik von und mit Jugendlichen darf nicht Vorwand sein, die Bemühungen im Rahmen konventioneller Jugendpolitik zu reduzieren.

Neue Überlegungen für die verbandliche Jugendarbeit Selbstevaluation ist Anleitung zur systematischen Beschäftigung mit der Qualität der eigenen Arbeit. Sie ist prozessorientiert, regel- und kriteriengeleitet, sie stellt Fragen zum Zusammenhang von Prozess und Ziel, sie ermöglicht strukturierte Reflexion und Auswertung, sie fördert Diskurs und Selbstreflexion, und sie bezieht alle beteiligten Gruppen in die gemeinsame Entwicklung von Qualität mit ein. Die Organisationen nehmen ihre eigene Arbeit unter die Lupe.

Sechs Verbände - Katholische Jugend, Jungschar, Landjugend, Pfadfinder/-innen, Alpenvereinsjugend, Rote Falken - haben sich an der modellhaften Einführung der Methode SE beteiligt. Über ein ganzes Jahr beschäftigten sie sich mit zentralen Fragestellungen: Wie sie schlagkräftiger werden können; wie sie ihren Kundschaften, einer mehr und mehr selbständiger werdenden Jugend, gerechter werden und Angebote produzieren, die auch im Zeitalter von Internet, Zapping und Skating nachgefragt werden; also: Wie sie die Qualität ihrer Angebote weiterentwickeln können. Ergebnisse: Die exemplarische Untersuchung der Arbeit der sechs Jugendorganisationen hat gezeigt, dass in weiten Bereichen ihres Tätigkeitsfeldes qualitativ hochwertige Arbeit gemacht wird. Gleichzeitig wurde dabei aber auch deutlich, dass es gezielter Maßnahmen der Qualitätsentwicklung bedarf. In der Durchführung dieses Begleitprojektes stellte sich heraus, dass Selbstevaluation für die Arbeit mit Ehrenamtlichen bestens geeignet ist, weil damit deren Qualifizierung und Professionalität erhöht wird und zudem sichergestellt werden kann, dass ihr Wissen systematisch der Gesamtorganisation zu gute kommt. Durch die Einbeziehung aller Beteiligten in den Reflexionsprozess wird ein Lernen auf allen Ebenen möglich. Die Qualität des internen Ablaufes wird deutlich erhöht, ebenso die Demokratisierung der Strukturen.

Die am Forschungsprozess beteiligten Organisationen haben ein methodisches Know how entwickelt. Sie können selbst methodisch kompetent ihre Arbeit verbessern und sind nicht auf Experten von außerhalb angewiesen. Diese Bemühungen gilt es, in gezielten Nachfolgeprojekten sowohl in den weiteren Leistungsbereichen der beteiligten Einrichtungen als auch in der Arbeit der anderen Jugendorganisationen, die sich an diesem Begleitprozess nicht beteiligen konnten, gezielt einzuführen und zu verankern. Selbstevaluation als Maßnahme zur Qualitätskontrolle könnte zu einem wichtigen Kriterium für die Förderung der verbandlichen Jugendarbeit werden.

Dazu wird vorgeschlagen, dass von Seiten des Fördergebers unterstützende und begleitende Maßnahmen gesetzt werden. Vorrangig erscheinen dabei: die gezielte Förderung der Implementierung von Selbstevaluation als integriertem Bestandteil der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit; die Abkehr von rein ergebnisorientierten Darstellungen (quantitative Daten über die Anzahl von Projekten, TeilnehmerInnen etc.) und die gezielte Förderung von Selbstevaluations-Maßnahmen, die gleichzeitig zur Qualifikation nach innen und zur Legitimation nach außen dienen.

Individuelles Freizeitverhalten dominiert Freizeit und hat in den letzten Jahren einen entscheidenden Bedeutungswandel erfahren. In der postmodernen, individualisierten Freizeit-, Konsum- und Erlebnisgesellschaft sehen Menschen nicht nur mehr die Arbeit als den zentralen Ort der Identitätsbildung und Selbstverwirklichung, sondern traditionelle Arbeitstugenden und neue Freizeitwerte ergänzen einander. Man arbeitet, um sich die materiellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, in der Freizeit einen entsprechenden Erlebniswert lukrieren zu können. Arbeit und Freizeit stehen somit gleichberechtigt nebeneinander und werden wechselseitig benutzt, um einen sinnvollen Beitrag zur persönlichen Selbstkonstruktion und zur Erreichung der subjektiven Lebensziele zu leisten. Szene-Welten sind überregionale, ja oft globale Sinnsysteme, die weit in den Alltag des Durchschnittsmenschen hineinwirken. Sie sind der Ideologie- und Orientierungsersatz für Menschen, die in einer immer ideologie- und weltanschauungsloseren Gesellschaft leben müssen und ordnen eine immer unübersichtlicher werdende Welt in homogene Sinnsysteme.

Szenen sind somit als soziale Netzwerke für Menschen mit gleichgerichteten Interessen, Bedürfnissen und Weltanschauungen zu definieren. Diese weichen die alten Strukturen der Gesellschaft auf und bilden eine neue Gesellschaftsordnung. Die Jugendlichen in Österreich demonstrieren ein großes Bedürfnis nach szeneorientierten, jugendkulturell ausgerichteten Freizeitangeboten. Diese Angebote entsprechen am ehesten der von der Freizeit geforderten Erlebnisdimension, bieten aber auch die Möglichkeit, sich an die neuen Sinnsysteme unserer Gesellschaft anzuschließen und erreichen damit einen identitäts- und sinnstiftenden Status. Hinsichtlich der Freizeitsituation kommt der Bericht unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

Die frei verfügbare Zeit ist für Jugendliche (vor allem für Schüler/-innen) rückläufig, Der Leistungsdruck, vor allem durch die Schule verursacht, wächst (Teil A, Seite 51). Schüler haben an Wochentagen rund 4,1 Stunden pro Tag zur Verfügung, Berufstätige 4,9 Stunden und Studenten 4,9 Stunden. Individuell orientierte Aktivitäten (Musik hören, Fernsehen, Video) führen die Hitliste der beliebtesten Freizeitaktivitäten an (Teil A, Seite 51-55), danach folgen Sozialkontakte (Ausgehen, Freunde). Die Bedeutung verschiedener Medien (Audio, Video, PC) ist enorm. Jugendliche nutzen das Medienangebot als "aktive, kritische und selektive" Konsumenten (A, Seite 91). Jugendliche verfügen über beachtliche Finanzmittel. Im Durchschnitt hat jede/r zwischen 14 und 24 Jahren im Monat 3.400 Schilling (247 Euro) zur freien Verfügung (A, Seite 67). Die Bedeutung der Jugendkulturen wächst, damit nimmt auch die "Freizeitindustrie" einen immer stärkeren Stellenwert bei der Freizeitgestaltung ein.

Individuelles Freizeitverhalten dominiert Freizeit hat in den letzten Jahren einen entscheidenden Bedeutungswandel erfahren. In der postmodernen, individualisierten Freizeit-, Konsum- und Erlebnisgesellschaft sehen Menschen nicht nur mehr die Arbeit als den zentralen Ort der Identitätsbildung und Selbstverwirklichung, sondern traditionelle Arbeitstugenden und neue Freizeitwerte ergänzen einander. Man arbeitet, um sich die materiellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, in der Freizeit einen entsprechenden Erlebniswert lukrieren zu können. Arbeit und Freizeit stehen somit gleichberechtigt nebeneinander und werden wechselseitig benutzt, um einen sinnvollen Beitrag zur persönlichen Selbstkonstruktion und zur Erreichung der subjektiven Lebensziele zu leisten. Szene-Welten sind überregionale, ja oft globale Sinnsysteme, die weit in den Alltag des Durchschnittsmenschen hineinwirken. Sie sind der Ideologie- und Orientierungsersatz für Menschen, die in einer immer ideologie- und weltanschauungsloseren Gesellschaft leben müssen und ordnen eine immer unübersichtlicher werdende Welt in homogene Sinnsysteme. Szenen sind somit als soziale Netzwerke für Menschen mit gleichgerichteten Interessen, Bedürfnissen und Weltanschauungen zu definieren. Diese weichen die alten Strukturen der Gesellschaft auf und bilden eine neue Gesellschaftsordnung. Die Jugendlichen in Österreich demonstrieren ein großes Bedürfnis nach szeneorientierten, jugendkulturell ausgerichteten Freizeitangeboten. Diese Angebote entsprechen am ehesten der von der Freizeit geforderten Erlebnisdimension, bieten aber auch die Möglichkeit, sich an die neuen Sinnsysteme unserer Gesellschaft anzuschließen und erreichen damit einen identitäts- und sinnstiftenden Status. Hinsichtlich der Freizeitsituation kommt der Bericht unter anderem zu folgenden Ergebnissen: Die frei verfügbare Zeit ist für Jugendliche (vor allem für Schüler/innen) rückläufig, Der Leistungsdruck, vor allem durch die Schule verursacht, wächst (Teil A, Seite 51). Schüler haben an Wochentagen rund 4,1 Stunden pro Tag zur Verfügung, Berufstätige 4,9 Stunden und Studenten 4,9 Stunden. Individuell orientierte Aktivitäten (Musik hören, Fernsehen, Video) führen die Hitliste der beliebtesten Freizeitaktivitäten an (Teil A, Seite 51-55), danach folgen Sozialkontakte (Ausgehen, Freunde). Die Bedeutung verschiedener Medien (Audio, Video, PC) ist enorm. Jugendliche nutzen das Medienangebot als "aktive, kritische und selektive" Konsumenten (A, Seite 91). Jugendliche verfügen über beachtliche Finanzmittel. Im Durchschnitt hat jede/r zwischen 14 und 24 Jahren im Monat 3.400 Schilling (247 Euro) zur freien Verfügung (A, Seite 67). Die Bedeutung der Jugendkulturen wächst, damit nimmt auch die "Freizeitindustrie" einen immer stärkeren Stellenwert bei der Freizeitgestaltung ein.