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Käthe-Leichter-Preis

Der Käthe-Leichter-Staatspreis wird für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verliehen.

Am 14. Oktober 2019 wurde der Käthe-Leichter-Staatspreis von der Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend, Frau Mag. Ines Stilling, verliehen an:

  • Mag. Maria Christina Boidi

Maria Christina Boidi hat durch ihren jahrelangen Einsatz für Migrantinnen im Rahmen des von ihr co-gegründeten Vereins LEFÖ wesentlich die Frauenbewegung geprägt und zur Stärkung von Geschlechtergleichstellung mitgewirkt, weshalb sie mit dem Käthe Leichter-Staatspreis 2019 ausgezeichnet wurde.

Fünf weitere Käthe-Leichter-Preise wurden gestiftet vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien und von der Österreichischen Nationalbank und verliehen an:

  • Mag. Julia Schuster, PhD: Auf Grund ihrer Forschungstätigkeit zu Arbeitsmarktdiskriminierung und Limitationen der Intersektionalitätstheorie zur Erklärung von komplexen gesellschaftlichen Diskriminierungsdynamiken erhielt Julia Schuster den Käthe-Leichter-Preis des BMASGK.
  • Mag. Dr. Elisabeth Anna Günther: Für ihre Forschungsleistungen zu (sozialen) Ein- und Ausschließungsprozessen im universitären Feld mit besonderem Fokus auf männerdominierte Studien sowie ihrem frauenpolitischen Engagement wurde Elisabeth Anna Günther mit dem Käthe-Leichter-Preis des BMBWF ausgezeichnet.
  • Mag. Dr. Katharina Mader: Für ihr wissenschaftliches Engagement in der feministischen Ökonomie und ihrer wissenschaftlichen sowie praktischen Verdienste im Bereich des Gender Budgetings erhielt Katharina Mader den Käthe-Leichter-Preis des BMDW.
  • Dr. Veronika Duma: Auf Grund ihrer Forschungsleistungen im Rahmen der biografischen Aufarbeitung von Rosa Jochmann sowie ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu Nationalsozialismus und Widerstand aus der Geschlechterperspektive wurde Veronika Duma der Käthe-Leichter-Preis der AK verliehen.
  • Assoz. Univ.-Prof. Dr. Martina Gugglberger: Für ihre frauen- und geschlechterhistorischen Forschungsleistungen sowie für ihre zentrale Mitarbeit beim Aufbau des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität Linz wurde Martina Gugglberger mit dem Käthe-Leichter-Preis der ÖNB ausgezeichnet.

Die Verleihung der Käthe-Leichter-Preise 2019 fand gemeinsam mit der Verleihung des Lebenswerkpreises an RA Dr. Helene Klaar statt.

Fotogalerie der Preisverleihung 2019

Über Käthe Leichter (1895-1942)

Dr. Käthe Leichter (Foto: Wien Bibliothek)

Käthe Leichter war die erste Frauenreferentin der Arbeiterkammer und sowohl wissenschaftlich als auch politisch im Interesse der Frauen tätig. Sie war eine der interessantesten und bedeutendsten Frauen im politischen Leben der 1. Republik. 1895 als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie geboren, rebellierte Marianne Katharina Pick schon früh gegen die Konventionen ihrer Zeit: Sie schloss sich der bürgerlichen Jugendbewegung an und studierte als eine der ersten Frauen Staatswissenschaften und Nationalökonomie, schloss ihr Studium jedoch nicht in Österreich, wo Frauen noch nicht den Abschluss machen konnten ab, sondern in Deutschland. Heute gilt sie als erste Sozialwissenschaftlerin weltweit und als eine der wichtigsten Pionierinnen auf dem Feld der Frauenforschung.

Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegsrevolutionen prägten die junge Wissenschaftlerin. Käthe Leichter engagierte sich ab nun aus voller Überzeugung in der Arbeiterbewegung. Sie glaubte fest an den Sozialismus und daran, die Befreiung des Menschen und damit auch die der Frauen selbst noch erleben zu können. Mit ihren umfangreichen Untersuchungen über das Leben von arbeitenden Frauen versuchte Käthe Leichter, die Frauen zu ermutigen, um ihre Gleichstellung in Beruf und Familie zu kämpfen. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen, der Heim- und Industriearbeiterinnen sowie wie das Handbuch der Frauenarbeit in Österreich gehören zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Neu an Käthe Leichters Erhebungen und Analysen war nicht nur, dass sie sich speziell mit der Situation von Frauen beschäftigten, sondern auch, dass sie auf den Erfahrungen von Frauen beruhten, von Frauen verfasst und herausgegeben wurden

Bis zuletzt gab sie die Hoffnung auf den Sieg ihrer Überzeugungen nicht auf. Sie ging nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Otto Leichter, und den beiden Söhnen ins Schweizer Exil, um wenig später zurückzukehren und eine führende Rolle im Widerstand gegen den autoritären Ständestaat einzunehmen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 verkannte Käthe Leichter ihre gefährliche Lage als jüdische Frau, widerständige Sozialdemokratin und Intellektuelle und blieb, um legal auszuwandern. Ende Mai 1938 verhaftete sie die Gestapo. Internationale Interventionen und Visas, die auf dem britischen und amerikanischen Konsulat auf sie warten, nützen nichts: Sie wurde Ende 1939 in das KZ Ravensbrück deportiert und im März 1942 ermordet.

Geschichte des Käthe-Leichter-Preises

Der Käthe-Leichter-Preis wird seit dem Jahr 1991 vergeben, wobei zunächst jährlich

  • jeweils ein Käthe-Leichter-Preis Österreichischer Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Frauenministerin und dem Sozialminister sowie
  • jeweils ein Käthe-Leichter-Preis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Österreichischen Nationalbank und der Arbeiterkammer,

gestiftet wurde. Der Preis wurde zunächst im Rahmen der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung vergeben und geht auf dessen Gründer, Dr. Herbert Steiner, zurück. Er selbst war – wie Käthe Leichter – jüdischer Herkunft, dessen Eltern im Holocaust ermorden wurden. Er überlebte im Exil und war Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Steiner gewann die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal für die Realisierung des Käthe Leichter Preises, der 1991 zum ersten Mal vergeben wurde.

Nach einer Unterbrechung von 4 Jahren wurde die Verleihung des Käthe-Leichter-Staatspreises für Frauen- und Geschlechterforschung 2005 wieder aufgenommen und bis heute fortgesetzt. Über hundert namhafte Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen wurden bisher mit den Käthe-Leichter-Preisen ausgezeichnet.

Informationen zum Käthe-Leichter-Staatspreis

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt wird für hervorragende Leistungen um die Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften wie auch um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit, verliehen.

Der Käthe-Leichter-Staatspreis für Frauen-, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ist mit 5 000 Euro dotiert und wird vom für Frauenangelegenheiten zuständigen Regierungsmitglied verliehen.

Neben dem Käthe-Leichter-Staatspreis werden weitere Käthe-Leichter-Preise in der Höhe von je 2 500 Euro vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, von der Arbeiterkammer und von der Österreichischen Nationalbank gestiftet.

Die Nominierung sowie die Wahl der Preisträgerinnen erfolgt durch eine unabhängige Jury – es ist daher keine Eigenbewerbung möglich.

Die Jury setzt sich aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, die auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung anerkannt sind, universitär und außeruniversitär, aus verschiedenen Disziplinen sowie maßgeblichen Persönlichkeiten der Interessenvertretungen der Arbeitnehmenden und anderer Preisstiftenden zusammen.

Käthe Leichter- und Lebenswerk-Preis-Jury 2019

  • Hon.Prof. Univ.-Doz. Dr. Brigitte Bailer
  • Ao.Univ.-Prof. Dr. Margarete Maria Grandner
  • Univ.-Prof. Dr. Gabriella Hauch
  • Dr. Barbara Hey
  • Univ.-Prof. Dr. Kautzky-Willer
  • Mag. Pia Lichtblau
  • Dr. Ingrid Mairhuber
  • Mag. Ingrid Moritz
  • Dr. Helene Schuberth
  • Mag. Anna Steiger
  • Mag. Roswitha Tschenett
  • Mag. Sylvia Vana
  • Univ.Prof. Dr. Doris Weichselbaumer, MA

Preisträgerinnen 2019

Am 14. Oktober 2019 hat Bundesministerin Ines Stilling die Käthe Leichter-Preise verliehen.

Am 14. Oktober 2019 hat Bundesministerin Ines Stilling die Käthe Leichter-Preise verliehen.

Käthe Leichter-Preisverleihung 2019

1. Reihe (v.l.n.r.): Mag. Maria Christina Boidi, Bundesministerin Mag. Ines Stilling, RA Dr. Helene Klaar, 2. Reihe (v.l.n.r.): Mag. Sylvia Vana, Mag. Ingrid Moritz, Dr. Helene Schuberth, Dr. Veronika Duma (4.v.l.), Assoz. Univ.-Prof. Dr. Martina Gugglberger (5.v.l.), Mag. Dr. Katharina Mader (6.v.l.), Mag. Martin Netzer, MBA, Mag. Dr. Elisabeth Anna Günther (7.v.l.), Mag. Julia Schuster, PhD (8.v.l.), Dr. Anna Ritzberger-Moser

Fotogalerie: Käthe Leichter-Preisverleihung 2019

Käthe Leichter Preise: Liste der Preisträgerinnen 1991-2019 (PDF, 176 KB)